
„Uns steht das Wasser bis zum Hals!“ – das waren die berührenden und zugleich aufrüttelnden Worte eines Vertreters eines kleinen Inselstaats im Pazifik bei der Klimakonferenz in Den Haag im Jahr 2000, an der ich als Vertreterin Österreichs teilgenommen habe. Die flehenden Worte und der Ap¬pell an die internationale Staatengemeinschaft, endlich Maßnahmen gegen den Klimawandel zu ergreifen, werde ich nie vergessen. Für die kleinen Inseln im Pazifik, die selbst nur zu einem Minimalanteil zum globalen Ausstoß von Treibhausgasen beitragen, bedeutet der durch die Klimaveränderung bedingte Anstieg des Meeresspiegels eine echte Lebensbedrohung.
Mittlerweilen sind etliche Klimakonferenzen über die Bühne gegangen – ohne wirkliche Durchbrüche. Kürzlich ist auch jene in Kopenhagen gescheitert. Das ist angesichts der dramatischen Entwicklungen mehr als beschämend.
Dazu kommen die Prognosen des unabhängigen Klimabeirats (IPCC) der UNO, besagen, dass
Und die Zeit zur Rettung des Klimas wird knapp: Bis zum Jahr 2015 muss der Treibhausgas-Ausstoß stabilisiert, bis 2050 deutlich verringert werden.
Der menschgemachte Klimawandel ist längst Realität, die fatalen Auswirkungen wie Überschwemmungen, Trocken- und Hitzeperioden und Hurricans sind unübersehbar. Die Ärmsten der Welt leiden am meisten darunter – aber auch wir in Europa spüren inzwischen die Auswirkungen des Klimawandels. Wir haben aber auch die Mittel und Möglichkeiten, ihn zu stoppen.
Der Hitzesommer 2003 forderte Menschenleben. Untersuchungen gehen davon aus, dass z.B. in Wien 130 Hitzetote auf die Auswirkungen des Klimawandels zurückzuführen sind. In Frankreich oder Italien lag die Zahl der Opfer wesentlich höher – da sprechen die Untersuchungen von 15.000 bzw. 20.000.
Dass der Klimawandel das Leben auf unserem Planeten beeinflusst, beobachten ForscherInnen schon länger. Die Alpengletscher beispielsweise schrumpften in den vergangenen 150 Jahren etwa um ein Drittel ihrer Fläche. Ebenso zu beobachten ist ein Rückgang des Eises in den polaren Gebieten, wo es in den zurückliegenden Jahren vermehrt zum Abbrechen größerer Eisplatten (des sogenannten Schelfeises) gekommen ist.
Als Ursache gilt hauptsächlich die globale Erwärmung. Im Südatlantik kam es 2004 erstmal zu einem Hurrican, was bis dato als unmöglich galt. Ebenfalls 2004 wurde in den USA der Rekord für Tornados gebrochen. Die Liste wird leider immer länger.
Nach den neuesten Erkenntnissen und offiziellen Daten des NASA Goddard Institute for Space Studies war 2006 das fünftwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen.
Die Reihenfolge der wärmsten Jahre lautet jetzt – 2005, 1998, 2002, 2003, und 2006.
Österreich hat sich verpflichtet im Rahmen des Kyoto-Ziels bis 2012 seine Treibhausgase um 13% zu verringern.
Doch die Realität schaut ganz anders aus, Österreich liegt knapp zwanzig Millionen Tonnen über dem nach Kyoto „erlaubten“ Wert von 68,8 Millionen Tonnen.
Besonders in den Bereichen Verkehr und Energie gibt es enorme Zuwachsraten, gegen die dringend Maßnahmen gesetzt werden müssen. Es gibt neben guten Ansätzen wie dem 500 Millionen-Klimafonds leider wenig Strategien für Österreichs Klimapolitik.
Das „Freikaufen“ im Ausland – also die Finanzierung von z.B. Biogasanlagen in Ägypten und Windparks in Ungarn – ist mit Sicherheit nicht der einzige Weg.
Das Potential der Klimaschutzmaßnahmen im Inland ist enorm. Durch Förderung von Erneuerbaren, Sanierungsprogrammen im Wohnbau oder Ausbau des öffentlichen Verkehrs würde Österreich sein Kyoto-Ziel erreichen und würde gleichzeitig die Wirtschaft ankurbeln.
Das hätte zwei Vorteile:
1. Klimaschutz im Inland schafft Arbeitsplätze!
2. Die Wirkung fürs Klima ist langfristig und nachhaltig.
Wien hat schon heute die geringsten Pro-Kopf-Emissionen österreichweit und wir arbeiten weiter an weiteren Reduktionen.
Wien hat im Dezember 2009, pikanterweise zeitgleich zur gescheiterten Klimakonferenz in Kopenhagen, das Klimaschutzprogramm KliP II (2010 – 2020) beschlossen. Das neue Ziel sind minus 21 % Treibhausgasemissionen pro Kopf im Jahr 2020 im Vergleich zu 1990. Durch die Umsetzung der geplanten Maßnahmen werden im Zeitraum zwischen 2010 und 2020 zusätzlich ganze 1,4 Mio. Jahrestonnen an Treibhausgasemissionen vermieden. Mit den schon bisher durch das KliP I vermiedenen 3,1 Mio. Jahrestonnen werden im Jahr 2020 aufgrund der Umsetzung des Klimaschutzprogramms II zumindest rund 4,5 Millionen Jahrestonnen an Treibhausgasen vermieden
Bereits wie im 1999 beschlossenen KliP I umfasst auch das KliP II konkrete Ziele mit konkreten Zeitplänen:
Die in Wien gesetzten Klimaschutzmaßnahmen sind nicht nur ein erfolgreiches Umweltprogramm, sondern auch ein bedeutendes Wirtschaftspaket. Die Evaluierung von KliP I hat die bereits deutlich gezeigt: Allein zwischen 1999 und 2008 wurden Investitionen in der Höhe von rund 11 Mrd. Euro ausgelöst, der Wertschöpfungseffekt betrug sogar rund 25 Mrd. Euro. Das Klip I hat auch positive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, es hat rund 56.600 Arbeitsplätze gesichert – das sind 7 % der in Wien unselbständig Beschäftigten!